Hans Kelsens pluralistisch begrundete Staats-/Rechtstheorie, konzipiert vor dem Hintergrund des ethnisch, sprachlich, kulturell und religios heterogenen Gemeinwesens der Habsburgermonarchie, gewinnt angesichts der Europaischen Union wieder an Bedeutung. Denn bei Kelsen basiert "der Staat" nicht auf Ethnie, Kultur oder gar einer Seele, sondern grundet auf der Rechtsgemeinschaft der Normunterworfenen: Staat (als Recht) und Nation (als kulturell-ethnische imagined community) werden entkoppelt. Die Aktualitat der Kelsenschen Lehre liegt in der wertfreien, herz- und gottlosen Definition von politisch verfassten Entitaten und der Gleichsetzung von Recht und Staat.