Wer weiß denn heute noch aus Erinnerung wie es früher war? Was ist eigentlich mit "früher" gemeint? - Geboren 1937, in den Vorkriegsjahren des zweiten Weltkrieges, hat die Autorin ihre Geburt in Berlin, Kindheit und Umwelt aus ihrer Erinnerung heraus beschrieben. Nicht perfekt recherchiert, nur aus dem Gefühl heraus. Darum werden gerade jüngere Menschen in unserer heutigen Konsumgesellschaft, in der zwar immer die Rede ist von "Armut", aber die doch, meiner Meinung nach, fehlinterprettiert wird, verschiedene Dinge, die in diesem Buch beschrieben werden, seltsam vorkommen, zieht man Vergleich mit der Gegenwart. In diesem Werk werden, obwohl nicht ausdrücklich betont, gewisse Aspekte der Armut herausgestellt, die eine ganz andere Sichtweite ergeben, als es manchen Menschen bewusst ist. Jeder, der den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit miterlebt hat, trägt andere Erinnerungen mit sich. Es ist eben das Leben mit seinen Höhen und Tiefen und kann uns interessante und lehrreiche Aspekte vermitteln. Ältere Leser werden sich an ähnliche Begebenheiten erinnern und jüngere können eine andere Welt kennen lernen, Amüsantes und Trauriges, vor allem Wahrhaftiges, denn es handelt sich hier um wahre Begebenheiten, die manchem Leser vielleicht ein Kopfschütteln abverlangen, aber auch ein anderes Licht auf einige Begebenheiten werfen und Hintergründe offen legen. Wie viele Menschen leben wohl noch in Deutschland, die den zweiten Weltkrieg wahrhaftig miterlebten? Und wie viele junge Menschen haben in der jetzigen Zeit schon Erfahrungen bei Kriegseinsätzen in fremden Ländern gemacht? Wahrscheinlich nicht genügend, um ihrer Umwelt begreiflich zu machen, was Unzufriedenheit und Haß und die sich daraus entwickelnden Agressionen anrichten können. Immer wieder wird die Glaubwürdigkeit gewisser Vorkomnisse im zweiten Weltkrieg in Zweifel gestellt, gerade in heutiger Zeit, wo das Vergessen sich breit macht. Wer nicht am eigenen Leib erfahren hat, wie viel Leid nur ein einziges, böses Wort auslosen kann, ist oft nicht in der Lage seine Mitmenschen zu verstehen und seine eigenen Agressivitäten in Zaum zu halten. Jeder Mensch kann Augen und Ohren offen halten und kann auch, wenn er willens ist, aus seinen und den Fehler andere lernen.
Dieses spannungsgeladene Buch soll nicht nur dem Zeitvertreib dienen, sondern auch zum Nachdenken anregen und stellt vielleicht, so ist zu hoffen, eine gewisse Wissenserweiterung dar.