Zu Anfang wirkt Debbie reichlich naiv, zudem hat sie nicht den geringsten Schimmer, wie Managen funktioniert. Man fragt sich ernstlich, wer auf die Idee kommen konnte, sie zur Abteilungsleiterin zu machen. Auch später bleibt ihre Persönlichkeit blass. Ein interessanterer und sympathischer Charakter ist Jeff. In ihm hat Ken Blanchard sein Idealbild des Serving Leaders, der dienenden Führungskraft, verwirklicht. Durch ihn entwickelt die Handlung doch noch ein gewissen Schwung -- und man ist gespannt, ob Debbie es schafft, mit seinen Anregungen etwas anzufangen.
Die Idee, dem Leser die Geschichte eines Coachings zu erzählen, funktioniert: Jeff liefert die theoretischen Erklärungen, lebt sein Modell aber auch selbst und liefert dem Leser so einen ersten Lerneffekt. Am Ende jeder Sitzung gibt er Debbie Fragen, über die sie nachdenken soll (der Leser denkt natürlich mit, Lerneffekt Nummer zwei). Doch es bleibt nicht bei der Theorie, die man sich auch durch die Lektüre eines traditionellen Managementbuchs verschaffen könnte: Durch Debbie, die versuchen muss, die Hinweise in ihrem Team umzusetzen, bleibt man als Leser nahe am Führungsalltag dran und schafft (Lerneffekt Nummer drei) auch für sich selbst den gedanklichen Sprung von der Theorie zur Praxis.
Zum Glück zeigt sich, dass Debbie lernfähig ist. Da man ihr in der idealen Welt des Buches trotz ihres Versagens mit verzeihendem Wohlwollen begegnet, kann sie sich sogar auf Experimente einlassen, wie zum Beispiel eine sympathische Bibliotheksmitarbeiterin für ihr Vertriebsteam abzuwerben. Der Leser gönnt ihr den Erfolg, als sie das Geheimnis großer Leader schließlich ergründet hat und das wohlverdiente Umsatzplus sich umgehend einstellt.-- Nina Hesse