Close Range: Wyoming Stories
Book Details
Description
Schon mit dem allerersten Satz der ersten Geschichte in dieser bemerkenswerten Sammlung zeigt Annie Proulx das, was sie berühmt gemacht hat: Rasierklingenscharfe Bilder, die in einer so phantasievollen und komprimierten Sprache vermittelt und ausgedrückt werden, daß es schon an wahre Poesie grenzt, und einen Sinn für Charaktere, die so genau beschrieben sind, daß ein einziger Satz ausreichend ist, um ein ganzes Leben zu schildern -- dabei noch das latente Versprechen, daß etwas äußerst Unerwartetes am Ende des Weges lauert.
Im Laufe der Jahre, seit den Zeiten, als er als reservierter junger Zupacker im wollenen Anzug den Zug nahm, um Cheyenne hinter sich zu lassen, bis zum heutigen Jahr, als hinkender alter Mann, hatte Mero jeden Gedanken aus seinem Kopf verbannt, der ihn an den Ort erinnerte, an dem er begann: Eine sogenannte Ranch auf fremdem Boden am südlichen Rande der Big Horns.
"The Half-Skinned Steer" berichtet über die Reise des alten Mero Corns zurück nach Wyoming, auf dem Weg zur Beerdigung seines Bruders. Während der Fahrt in den Westen werden Details seiner ereignisreichen Reise mit Erinnerungen an seine Jugend auf der Ranch gespickt -- vor allem eine unglaubliche Geschichte, die er in früheren Zeiten gehört hatte, über eine trübe Tasse namens Tin Head und einen geschlachteten jungen Ochsen. Proulx glänzt wieder einmal mit einer Mischung aus einsamen Landschaften, makabren Geschehnissen und geschädigten Menschen, die sich am Ende zu einer nahezu perfekten Geschichte zusammenaddieren. Es überrascht wohl kaum, daß "The Half-Skinned Steer" in John Updikes Kurzgeschichtensammlung Best American Short Stories of the Century aufgenommen wurde.
Proulx erzielt ähnliche Ergebnisse mit vielen der anderen Geschichten in Close Range, einschließlich einer anderen preisgekrönten Erzählung, "Brokeback Mountain". Das ist die bittersüße Geschichte einer zum Scheitern verurteilten Liebe zwischen zwei Cowboys, die "kaum anständig zusammen sein können" und doch wissen, "wenn wir das am falschen Ort tun, dann sind wir tot." Proulx lockert wohlweislich die ganze Mischung etwas auf. In "The Blood Bay" gibt sie sich ihrem Geschmack für das Schaurige mit einer düster-amüsanten Nacherzählung einer breitgewalzten, schwachpointierten Geschichte aus dem Old West hin, während "Pair a Spurs" die tragikomische Wiedergabe einer Scheidung nach Wyoming-Art ist. Die Autorin ist in jeder Hinsicht ein wahres Unikum; ihr Heraufbeschwören des Westens ist so eigenartig und überraschend wie das eines Cormac McCarthy oder eines Ivan Doig. Close Range ist eine von Proulx' Glanzleistungen. --Alix Wilber






