Mein Begräbnis. Und andere Grotesken (German Edition)
Book Details
Author(s)Ewers, Hanns Heinz
ISBN / ASIN1494740397
ISBN-139781494740399
MarketplaceFrance 🇫🇷
Description
Wenn Ihnen Horst Evers gefallen hat, probieren Sie es mal mit Hanns Heinz: Eine Beerdigung per Fahrradkurier? Frauen, die Eier legen? Ein hypnotischer Beischlafdieb? Und eine im Lustrausch ermordete Briefmarke? Hanns Heinz Ewers (1871-1943) hatte sie alle. Der Skandalautor, der auch als eifriger Drogenkonsument von sich reden machte, gilt nicht nur als der Erfinder des Splattergenres, sondern sah sich auch als literarischer Nachfolger von Edgar Allan Poe, Oscar Wilde und E. T. A. Hoffmann.
Jetzt dürfen 14 so groteske wie komische Kurzgeschichten des Kult-Schriftstellers und »Literatur-Satans aus Opas Zeit« (Der Spiegel) endlich wiederentdeckt werden. Abgerundet wird die 136-seitige Sammlung mit zahlreichen zeitgenössischen Illustrationen sowie einem kundigen Nachwort des Phantastik-Experten Michael Helming.
Der Autor Andreas Schumacher und der Kulturwissenschaftler Lino Wirag haben Hanns Heinz Ewers wiederausgegraben und dessen Kurzgeschichten in zwei illustrierten Bänden (»Mein Begräbnis. Und andere Grotesken« sowie »Die chinesische Kreuzigung. Und andere Schauergeschichten«) für heutige LeserInnen aufgefrischt. Einige Erzählungen sind mit diesen neu zusammengestellen und vollständig überarbeiteten Bänden zum ersten Mal seit 100 Jahren wieder zugänglich.
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»Lustmord einer Schildkröte« (Auszug):
Ich gestand stotternd, dass ich einem geheimen Klub angehöre: Einem Klub gleichgesinnter, degenerierter Seelen, die sich zur Aufgabe gestellt hätten, das Unmöglichste der Welt zu lieben und das Geliebte dann der Gier zum Opfer zu bringen und lustzumorden. Meist seien es Tiere, auch Greise, Kinder, Säuglinge – aber zuweilen noch viel unausdenkbarere Dinge
»Was lieben Sie denn?«, fuhr mich der Gewaltige an.
»Ich? – Ich?«, stammelte ich, nach einer Antwort suchend. »Erlassen Sie mir das, Herr Hauptmann.«
Aber er schrie mich an: »Entweder Sie gestehen, oder ich lasse Sie auf der Stelle verhaften.«
Meine linke Hand spielte in der Westentasche – eine Briefmarke kam mir zwischen die Finger. Ich zog sie heraus, legte sie auf den Tisch.
»Da, Herr Hauptmann!«, stotterte ich. »Das liebe ich. Das ist meine Mätresse!«
»Was?«, rief er. »Machen Sie mir keine dummen Faxen vor!«
»Es ist wahr«, begann ich demütig, nahm mein Taschentuch und führte es an die Augen.
»So unglaublich es klingt: Ich liebe eine grüne, ungebrauchte Fünfpfennigsbriefmarke. Oh, Herr Hauptmann, Sie begreifen ja nicht, wie tief, wie symbolisch, wie unendlich künstlerisch diese Liebe ist! Diese Marke ist weiblich – sie trägt das Bild der brustbepanzerten Germania. Was ist die Germania? Meine Mutter ist sie, Ihre Mutter: aller Deutschen Mutter! Stellen Sie sich vor, Hauptmann: die eigene Mutter sinnlich und brünstiglich zu lieben! Und sie eines Tages in rasender Lust hinzumorden – zu zerreißen, zu verbrennen, auf irgendeine grauenvolle Weise zu vernichten. Können Sie die Qualen solcher Wonne ermessen?«
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Jetzt dürfen 14 so groteske wie komische Kurzgeschichten des Kult-Schriftstellers und »Literatur-Satans aus Opas Zeit« (Der Spiegel) endlich wiederentdeckt werden. Abgerundet wird die 136-seitige Sammlung mit zahlreichen zeitgenössischen Illustrationen sowie einem kundigen Nachwort des Phantastik-Experten Michael Helming.
Der Autor Andreas Schumacher und der Kulturwissenschaftler Lino Wirag haben Hanns Heinz Ewers wiederausgegraben und dessen Kurzgeschichten in zwei illustrierten Bänden (»Mein Begräbnis. Und andere Grotesken« sowie »Die chinesische Kreuzigung. Und andere Schauergeschichten«) für heutige LeserInnen aufgefrischt. Einige Erzählungen sind mit diesen neu zusammengestellen und vollständig überarbeiteten Bänden zum ersten Mal seit 100 Jahren wieder zugänglich.
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»Lustmord einer Schildkröte« (Auszug):
Ich gestand stotternd, dass ich einem geheimen Klub angehöre: Einem Klub gleichgesinnter, degenerierter Seelen, die sich zur Aufgabe gestellt hätten, das Unmöglichste der Welt zu lieben und das Geliebte dann der Gier zum Opfer zu bringen und lustzumorden. Meist seien es Tiere, auch Greise, Kinder, Säuglinge – aber zuweilen noch viel unausdenkbarere Dinge
»Was lieben Sie denn?«, fuhr mich der Gewaltige an.
»Ich? – Ich?«, stammelte ich, nach einer Antwort suchend. »Erlassen Sie mir das, Herr Hauptmann.«
Aber er schrie mich an: »Entweder Sie gestehen, oder ich lasse Sie auf der Stelle verhaften.«
Meine linke Hand spielte in der Westentasche – eine Briefmarke kam mir zwischen die Finger. Ich zog sie heraus, legte sie auf den Tisch.
»Da, Herr Hauptmann!«, stotterte ich. »Das liebe ich. Das ist meine Mätresse!«
»Was?«, rief er. »Machen Sie mir keine dummen Faxen vor!«
»Es ist wahr«, begann ich demütig, nahm mein Taschentuch und führte es an die Augen.
»So unglaublich es klingt: Ich liebe eine grüne, ungebrauchte Fünfpfennigsbriefmarke. Oh, Herr Hauptmann, Sie begreifen ja nicht, wie tief, wie symbolisch, wie unendlich künstlerisch diese Liebe ist! Diese Marke ist weiblich – sie trägt das Bild der brustbepanzerten Germania. Was ist die Germania? Meine Mutter ist sie, Ihre Mutter: aller Deutschen Mutter! Stellen Sie sich vor, Hauptmann: die eigene Mutter sinnlich und brünstiglich zu lieben! Und sie eines Tages in rasender Lust hinzumorden – zu zerreißen, zu verbrennen, auf irgendeine grauenvolle Weise zu vernichten. Können Sie die Qualen solcher Wonne ermessen?«
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