The Jew accused - Eine Auseinandersetzung mit Albert S. Lindemanns Studie über modernen Antisemitismus und die Dreyfus-Affäre (German Edition)
Book Details
Author(s)Jürgen Schreiber
PublisherGRIN Verlag GmbH
ISBN / ASINB007R528T2
ISBN-13978B007R528T6
MarketplaceFrance 🇫🇷
Description
Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung, Note: 1,0, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Historisches Seminar), Veranstaltung: Die Dreyfus-Affäre, 18 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Es gibt den jüdischen Staat, weil es Hitler gab. Der Grund dieses Staates liegt in Auschwitz, [...] doch liegt er nicht nur in unserer Zeit, er liegt in den Judenmetzeleien, in den Pogromen und Schikanen der Vergangenheit, er liegt im Christentum, das im Juden den Christusmörder sah, er liegt im Ressentiment, im Rassendünkel und im Fremdenhaß aller Zeiten, [...] kurz, der Grund liegt in den Demütigungen, Verfolgungen und Leiden, die den Juden immer wieder zum Juden stempelten und formten.“
In diesen Worten beschrieb der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt über zwei Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein Phänomen, daß nicht nur die politischen, sozialen und kulturellen Facetten der europäischen Geschichte bis in die Gegenwart hinein geprägt hat, sondern ebenso in der aktuellen Weltpolitik verwoben ist: die sogenannte Judenfrage und ihre Ursachen.
Nach Auschwitz erschien auch vielen Nicht-Juden in Europa ihre gemeinsame Geschichte mit den Juden vor allem als eine kontinuierliche Entwicklung einseitiger Ausgrenzung und Verfolgung; der Holocaust als deren ebenso katastrophale wie logische Konsequenz. Infolge dieser veränderten Sichtweise etablierte sich eine historische Interpretation, die nun nicht mehr im scheinbar typologisch zu fassenden Wesen des Juden, sondern in Lebenswelt und Psychologie des Antisemiten die Ursache für die Judenfrage und die zynischen Versuche ihrer Beantwortung ausmachte. Die These vom Juden als Sündenbock für die Implikationen der sozialen Frage und kultureller wie religiöser Berührungsängste, wie unter anderen Dürrenmatt sie formulierte, hat die Erinnerungskultur besonders in der Bundesrepublik, aber auch in anderen europäischen Staaten nachhaltig geprägt. Doch bei aller Dominanz offenbaren die gegenwärtigen Debatten um Israel-Kritik und Antisemitismus in weiten Teilen der politischen Kulturen Europas die andauernde Latenz und immer wieder auch eruptive Kraft konkurrierender Sichtweisen: Ist die Geschichte der Juden in Europa denn nur Synonym für eine Geschichte des Antisemitismus? Und verbergen sich unter der verbrannten Erde des nationalsozialistischen Massenmords nicht vielleicht doch rationale Wurzeln, deren zerstörerische Triebe erst im 20.Jahrhundert zu wuchern begannen?
In diesen Worten beschrieb der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt über zwei Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein Phänomen, daß nicht nur die politischen, sozialen und kulturellen Facetten der europäischen Geschichte bis in die Gegenwart hinein geprägt hat, sondern ebenso in der aktuellen Weltpolitik verwoben ist: die sogenannte Judenfrage und ihre Ursachen.
Nach Auschwitz erschien auch vielen Nicht-Juden in Europa ihre gemeinsame Geschichte mit den Juden vor allem als eine kontinuierliche Entwicklung einseitiger Ausgrenzung und Verfolgung; der Holocaust als deren ebenso katastrophale wie logische Konsequenz. Infolge dieser veränderten Sichtweise etablierte sich eine historische Interpretation, die nun nicht mehr im scheinbar typologisch zu fassenden Wesen des Juden, sondern in Lebenswelt und Psychologie des Antisemiten die Ursache für die Judenfrage und die zynischen Versuche ihrer Beantwortung ausmachte. Die These vom Juden als Sündenbock für die Implikationen der sozialen Frage und kultureller wie religiöser Berührungsängste, wie unter anderen Dürrenmatt sie formulierte, hat die Erinnerungskultur besonders in der Bundesrepublik, aber auch in anderen europäischen Staaten nachhaltig geprägt. Doch bei aller Dominanz offenbaren die gegenwärtigen Debatten um Israel-Kritik und Antisemitismus in weiten Teilen der politischen Kulturen Europas die andauernde Latenz und immer wieder auch eruptive Kraft konkurrierender Sichtweisen: Ist die Geschichte der Juden in Europa denn nur Synonym für eine Geschichte des Antisemitismus? Und verbergen sich unter der verbrannten Erde des nationalsozialistischen Massenmords nicht vielleicht doch rationale Wurzeln, deren zerstörerische Triebe erst im 20.Jahrhundert zu wuchern begannen?
