Bodies need rest - Bild und Gewalt im Horror- und Pornofilm (German Edition)
Book Details
Author(s)Tobias Hinrichs
ISBN / ASINB00FJ8NGL8
ISBN-13978B00FJ8NGL4
MarketplaceIndia 🇮🇳
Description
Dieser Essay beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Bild, Körper und Gewalt in ausgesuchten Schwellenbereichen der Filmarbeit. Konkret geht es um die Verbindung von Horror- und Pornofilm und damit um eine Beziehung, die vor allem vonseiten feministischer Filmtheorie stets auf der diskursiven, also auch gesellschaftspolitischen Ebene betrachtet worden ist, oftmals gewappnet mit dem Begriffsapparat der Psychoanalyse. Perversionstheorie, Zuschaueranalyse und Kritik an der patriarchalen, frauenverachtenden bis -feindlichen Grundstruktur beider Genres ergeben so häufig ein Bild, in dem Horror und Porno ´letztlich um dasselbe Phänomen kreisen: die Ausbeutung, Erniedrigung und/oder fetischistische Überhöhung des Frauenkörpers.
In einem ersten Teil wird den Implikationen solch einer feministischen, psychoanalytisch geschulten Sichtweise nachgegangen, und zwar vorrangig anhand des sog. Slasher(Schlitzer)-Films (mit den für ihn typischen Figuren des maskierten Killers, der Scream Queen, des Final Girl etc.). Darauf wird mithilfe der Filmtheorien des französischen Philosophen Gilles Deleuze eine Korrektur dieser Ansätze versucht. Die leitende Frage lautet hierbei, ob es nicht viel eher um die Erforschung des inneren Zusammenhangs von Bild und Gewalt gehen muss als um die Anzeige ihrer diskursiven Vermischung auf gesellschaftlicher Ebene. Deleuzes Filmtheorie hilft dabei, dieser Spur nachzugehen, bezieht sie sich doch auf die Unterscheidung diverser Bildtypen als quasi autonomer Systeme, deren Aussagen erst in der Betrachtung ihrer Tiefendimension getroffen werden. Das von Deleuze sogenannte Affektbild spielt hierbei eine herausragende Rolle, da es sich auf die inneren Reflexionsprozesse des Bildaufbaus konzentriert und somit nicht von vornherein in Relation zu einem gesellschaftlichen Diskursfeld gesehen werden kann. Damit problematisiert es einerseits die Verbindung von Spektakel und Bild, die für Horror und Porno so zentral zu sein scheint, andererseits aber ebenso die Beziehung von Körper, Bild und Gewalt, die eher als ein reflexiver Akt, der sich in den Bildern selbst abspielt, verstehbar wird. Erst auf dieser Ebene lassen sich nun auch die Arbeiten des Horror- und Pornofilms, die in den psychoanalytischen Diskursen nahezu austauschbar zu sein scheinen, voneinander unterscheiden.
Im zweiten Teil des Essays wird dieses Alternativmodell anhand zweier ausgezeichneter Schwellen-Filme erprobt – des französischen »Skandalfilms« BAISE-MOI von Virginie Despentes und Coralie Trinh Thi sowie Lucio Fulcis L’ALDILÀ als Klassiker des italienischen Splatterkinos der 1980er Jahre. Die Verschiebungen, die sich durch die Analyse dieser beiden Filme ergeben, lassen Bilder entstehen, die den repräsentativen Vertrag mit der Gesellschaft aufkündigen, um das Gewaltmoment der Bilder selbst herauszustreichen. L’ALDILÀ und BAISE-MOI strengen somit eine Arbeit an, die sich von den Diskursen befreit, um einen tieferen Einblick in die Bilderwelten, darüber aber auch in eine Gesellschaft der Bilder mit all ihren Vorbehalten und kanonischen Fixierungen zu erlangen.
Im Schlusskapitel wird dieses kritische Potenzial der Bilder im Bezug zur neuen Horrorwelle seit dem Jahrtausendwechsel erörtert. Wie verhalten sich die Bilder von Filmen wie SAW, der Neuverfilmung von DAWN OF THE DEAD oder auch 28 DAYS LATER zu den Affektbildern, wie sie L’ALDILÀ und BAISE-MOI reflektieren? Wie gelingt es den zuletzt populär gewordenen Folter-Filmen wie HOSTEL, FRONTIÈR(S) oder MARTYRS, zwar einerseits enormes Gewaltpotenzial auszustellen, dabei aber ausgerechnet den Affekt sowie dessen kritische und analytische Komponenten aus ihren Bilder zu vertreiben? Dies sind die leitenden Fragen des abschließenden Kapitels, das hierin gleichsam zur Neuzeit aufschließt.
Normseiten (1500 Zeichen): 245
Spoiler: einige
Bilder: 30, keineswegs hochauflösend
In einem ersten Teil wird den Implikationen solch einer feministischen, psychoanalytisch geschulten Sichtweise nachgegangen, und zwar vorrangig anhand des sog. Slasher(Schlitzer)-Films (mit den für ihn typischen Figuren des maskierten Killers, der Scream Queen, des Final Girl etc.). Darauf wird mithilfe der Filmtheorien des französischen Philosophen Gilles Deleuze eine Korrektur dieser Ansätze versucht. Die leitende Frage lautet hierbei, ob es nicht viel eher um die Erforschung des inneren Zusammenhangs von Bild und Gewalt gehen muss als um die Anzeige ihrer diskursiven Vermischung auf gesellschaftlicher Ebene. Deleuzes Filmtheorie hilft dabei, dieser Spur nachzugehen, bezieht sie sich doch auf die Unterscheidung diverser Bildtypen als quasi autonomer Systeme, deren Aussagen erst in der Betrachtung ihrer Tiefendimension getroffen werden. Das von Deleuze sogenannte Affektbild spielt hierbei eine herausragende Rolle, da es sich auf die inneren Reflexionsprozesse des Bildaufbaus konzentriert und somit nicht von vornherein in Relation zu einem gesellschaftlichen Diskursfeld gesehen werden kann. Damit problematisiert es einerseits die Verbindung von Spektakel und Bild, die für Horror und Porno so zentral zu sein scheint, andererseits aber ebenso die Beziehung von Körper, Bild und Gewalt, die eher als ein reflexiver Akt, der sich in den Bildern selbst abspielt, verstehbar wird. Erst auf dieser Ebene lassen sich nun auch die Arbeiten des Horror- und Pornofilms, die in den psychoanalytischen Diskursen nahezu austauschbar zu sein scheinen, voneinander unterscheiden.
Im zweiten Teil des Essays wird dieses Alternativmodell anhand zweier ausgezeichneter Schwellen-Filme erprobt – des französischen »Skandalfilms« BAISE-MOI von Virginie Despentes und Coralie Trinh Thi sowie Lucio Fulcis L’ALDILÀ als Klassiker des italienischen Splatterkinos der 1980er Jahre. Die Verschiebungen, die sich durch die Analyse dieser beiden Filme ergeben, lassen Bilder entstehen, die den repräsentativen Vertrag mit der Gesellschaft aufkündigen, um das Gewaltmoment der Bilder selbst herauszustreichen. L’ALDILÀ und BAISE-MOI strengen somit eine Arbeit an, die sich von den Diskursen befreit, um einen tieferen Einblick in die Bilderwelten, darüber aber auch in eine Gesellschaft der Bilder mit all ihren Vorbehalten und kanonischen Fixierungen zu erlangen.
Im Schlusskapitel wird dieses kritische Potenzial der Bilder im Bezug zur neuen Horrorwelle seit dem Jahrtausendwechsel erörtert. Wie verhalten sich die Bilder von Filmen wie SAW, der Neuverfilmung von DAWN OF THE DEAD oder auch 28 DAYS LATER zu den Affektbildern, wie sie L’ALDILÀ und BAISE-MOI reflektieren? Wie gelingt es den zuletzt populär gewordenen Folter-Filmen wie HOSTEL, FRONTIÈR(S) oder MARTYRS, zwar einerseits enormes Gewaltpotenzial auszustellen, dabei aber ausgerechnet den Affekt sowie dessen kritische und analytische Komponenten aus ihren Bilder zu vertreiben? Dies sind die leitenden Fragen des abschließenden Kapitels, das hierin gleichsam zur Neuzeit aufschließt.
Normseiten (1500 Zeichen): 245
Spoiler: einige
Bilder: 30, keineswegs hochauflösend
