1.1 Der Arzt im 21. Jahrhundert
Jörg Braun und Tanja Toermer
1.1.1 Einflüsse auf das Arztbild
• Möglichkeit zur erfolgreichen Behandlung vieler Erkr. (mit der NW von übertriebenen Erwartungen aufseiten von Pat. und Angehörigen).
• Pat. haben sehr einfachen Zugang zu hochdifferenzierten Informationen über ihre Krankheiten (verstehen diese Informationen jedoch häufig nicht).
• Statt der Bindung zum Arzt befinden sich Pat. heute in einem Netzwerk von ärztlichen Spezialisten, häufig ergänzt durch Heilpraktiker und „Paramediziner“.
• Extreme Zunahme von arztfernen Tätigkeiten (Abrechnung, Qualitätssicherung, Diskussion mit Krankenkassen und MDK).
• Flut von Arztserien mit z. T. skurrilen („Dr. House“), häufig irrealen Arztbildern. Diese Serien verstärken die Ängste der Pat. und fixieren sie auf ein „Happy End“ → Pat. und Angehörige erwarten immer einen optimalen Verlauf → Beschwerden und Klagen nehmen dramatisch zu.
• Krankenhäuser werden zu Reparatureinrichtungen für tatsächliche oder vermeintliche Fehlfunktionen. Durch die drastische Liegezeitverkürzung wird eine Heilung oder gar Gesundung nur noch selten erreicht.
• Feminisierung des Arztberufs: Der Anteil der Ärztinnen im Krankenhaus liegt in vielen Fachbereichen > 50 %.
1.1.2 Besonders geforderte Fähigkeiten
• Kommunikation (sowohl im Team als auch ggü. Pat. und Angehörigen): Kommunikative Fähigkeiten werden im Studium unzureichend vermittelt und müssen selbst erarbeitet werden. Dabei müssen abstrakte und hochdifferenzierte pathophysiolog. Krankheitszusammenhänge in psychischen Ausnahmesituationen verständlich gemacht werden.
• Ökonomie: Obwohl alle Ärzte unter dem Joch ökonomischer Zwänge arbeiten, findet im Studium keine Vorbereitung darauf statt; entsprechend hilflos agieren Ärzte häufig.
• Wissenschaft: Ärzte unterliegen vielfältigen Manipulationsversuchen und werden instrumentalisiert. Hiergegen hilft nur eine kritische Bewertung von Fakten und Erkenntnissen, gepaart mit einer soliden ethischen Basis. Informationen von anderen Dienstleistern im Gesundheitswesen (z. B. Pharmafirmen) sollten nicht zuletzt aus juristischen Gründen (Tatbestand der Vorteilsnahme) hinterfragt und abgewogen werden.
• Schonung der eigenen Ressourcen: Wesentliche Burnout-Prophylaxe ist die Wahrnehmung und Respektierung eigener körperlicher und psychischer Bedürfnisse.
1.2 Patientenaufnahme
Jörg Braun und Tanja Toermer
1.2.1 Zentrale Notaufnahme
Im Rahmen der Ablaufoptimierung werden zunehmend eigenständige Einheiten für die Notaufnahme von Pat. geschaffen (ZNA, Zentrale Notaufnahme). Diese sind zentrale Serviceanbieter für Pat., Rettungsdienst (Feuerwehr, Notarzt), Leitstelle, Hausärzte, Belegärzte und Klinikabteilungen.
Aufgaben
In der ZNA finden Diagn. und Notfallther. von akut erkrankten oder verletzten Pat. statt. Die Dringlichkeit hängt von der Erkrankungsschwere des Pat. ab und ist unabhängig vom Versicherungsstatus.
Nach der Untersuchung in der ZNA wird der Pat.:
• Nach Hause entlassen.
• Zum Hausarzt zurücküberwiesen.
• Fachärzten zugewiesen.
• Ins Krankenhaus aufgenommen.
Bei der Krankenhausaufnahme muss entschieden werden, ob eine Unterbringung auf der Normalstation, einer Überwachungsstation oder auf der Intensivstation notwendig ist. Ggf. kann auch eine spätere stationäre Aufnahme geplant werden (prästationärer Fall).
Die Zeitabläufe werden durch Triagesysteme bestimmt, wie das Manchester-Triage-System (Tab. 1.1).
Schockraum
Indikationen Versorgung vital bedrohter Pat. mit festgelegtem Schockraummanagement, z. B. bei Polytrauma, kardiolog. Notfall mit Schock, Blutungsschock, akuter fokalneurolog. Sympt.
Vorgehen Für die jeweilige Notfallsituation wird nach Anmeldung durch die Rettungsleitstelle per Sammelnotruf ein fachspezif. Kollegium der notwendigen Disziplinen unter Leitung eines Teamleaders zusammengestellt, das den Notfallpat. vom einliefernden Notarzt im Schockraum übernimmt. Der Ablauf wird in Form einer strukturierten Dokumentation protokollie